Interview mit Hilde van Schaardenburg
An einem sonnigen Dienstagmorgen fuhr ich für mein Interview mit Hilde nach Hilversum.
Ich wurde sehr herzlich empfangen. Hilde war eine der Quilterinnen, die auf der European Patchwork Messe in St Marie aux Mines letzten September ausstellte. Ich war damals von ihrer Arbeit sehr beeindruckt. Als ich sie für SEWN um ein Interview bat, sagte sie spontan zu!
Sewn:
Wie hast Du die Welt der Quilts für Dich entdeckt?
Hilde:
Ich habe mich schon von Kindesbeinen an mit Handarbeiten beschäftigt. In 2000 las ich die Zeitschrift „Euro Quilt“ von Editions de Saxe (dieses Magazin gibt es leider nicht mehr) und ich war sofort fasziniert. Die Ausstellung der Quilter Gilde in Nieuwegein besuchte ich dann in 2002 und war völlig sprachlos. Ich begriff, dass es genau das war, was ich schon immer gesucht hatte und was ich zukünftig tun möchte! Ich nahm Privatunterricht bei Gera van der Horst in Hilversum und innerhalb von 2 Monaten war ich mit den Grundbegriffen von Patchwork und Quilten vertraut.
Danach legte ich los und machte viele Quilts, nahm an Ausstellungen und Wettbewerben teil. Der erste grosse Quilt, den ich herstellte, war für das 20 jährige Jubiläum der nieder-ländischen Quilter Gilde. Ich erinnere mich noch an das Motiv: Glocken, Bälle und Zwiebeln. Mein Quilt wurde nicht ausgewählt. Ich war ein bisschen traurig, reichte den Quilt dann aber unter dem Motto „Zeit“ bei den europäischen Quilt Meisterschaften in Waalre ein. Hier wurde ich nicht nur prämiert sondern erreichte auch den zweiten Platz in der Kategorie der Anfänger!
2008 beendete ich einen 2-Jahres Kurs, Quilting Special 6, bei der niederländischen Quilter Gilde. Dieser Kurs ist für Quilter, die mehr übers Quilten lernen möchten.
Jetzt habe ich gerade mit einem Quilt-Bewertungskurs in England begonnen. Für mich ist das der logische nächste Schritt. Wichtig ist mir dabei, dass ich lerne, einen Quilt richtig zu beurteilen und konstruktive Kritik zu üben. Der Kurs besteht aus 6 Modulen. Im ersten Modul muss man sich ein Objekt suchen (es muss kein Stoff sein); meine Wahl fiel auf Edelsteine. Ich las Bücher und Zeitschriften, surfte im Internet und besuchte Museen und Künstler.
Sewn:
Woher erhältst Du Deine Inspiration?
Hilde:
Ich bin in einer sehr künstlerischen, kreativen und musikalischen Familie aufgewachsen. Die Schule, die ich besuchte, legte großen Wert auf Natur und Kunst. Ich wuchs mit Oper, Ballett und jedweder Art von Kunst auf; auch die Natur war immer sehr wichtig.
Meine Ideen haben ihren Ursprung in allen Dingen, die auf dieser Welt existieren: Das Universum, Natur, Menschen und Tiere. Was mich aber wirklich inspiriert sind Stoffe, Farben, Nadel und Faden!
Sewn:
Wer oder was inspiriert Dich?
Hilde:
Mirjam Pet-Jacobs ist ein großes Vorbild für mich. Auf meiner Website erwähne ich noch mehr Menschen, die mich inspirieren und begeistern und die mir in der Welt der „Textilen Künste“ sehr nahe sind. Wir sind alle auf dem gleichen Weg unterwegs und streben nach Anerkennung in der Welt der Künstler.
Sewn:
Wie fängst Du einen Quilt an?
Hilde:
Oft fängt es mit einem Thema an. Die European Quilt Association bat mich, einen Quilt für das Museum in York zu machen, der die Niederlande repräsentiert. Thema: „Celebrating Diversity“. Ich ging Schritt für Schritt vor. Aus dem Film „Le Peuple Migrateur/The Travelling birds“ von Jaques Perrin holte ich mir viele Ideen für diesen Quilt. Im Kopf hatte ich schon das Bild des fertigen Quiltes. Ich begann mit einem in den Farben des Himmels eingefärbten Stoff. Danach fing ich an zu malen und zu quilten. Der Quilt wurde dann Schritt für Schritt fertig gestellt.
Sewn:
Kannst Du uns etwas über Deinen Stil erzählen?
Hilde:
Viele Leute sagen mir, dass sie die Vielfalt meiner Arbeit mögen. Ich freue mich, wenn ich andere Menschen inspirieren kann. Ich arbeite sehr viel mit gefärbten Stoffen und spiele mit ihrer Schönheit und Struktur. Momentan färbe ich die Stoffe nicht selbst, sondern kaufe sie von Corinne Zambeek (www.corinnezambeek.nl). Ich halte sie auf diesem Gebiet für eine wahre Künstlerin.
Sewn:
An welchem Projekt arbeitest Du gerade aktuell?
Hilde:
Ich arbeite momentan an drei verschiedenen Projekten.
Zum einen arbeite ich für eine französische Hebamme, die Workshops mit Teenager-Müttern in ganz Frankreich abhält. Sie sprach mich an und bat mich einen Quilt zu machen, der als Kennzeichen für diese Workshops dienen soll. Die Teenager-Mütter sollen darin erkennen, dass ihr Körper wunderschön und nicht hässlich ist. Der Quilt stellt eine Vagina, den Uterus und die Eileiter dar. Die Teilnehmerinnen sollen während des Workshops auf dem Quilt sitzen. Ein ungewöhnlicher Auftrag, der mich sehr beschäftigt. Der Zweck dieses Quiltes soll eine wunderbare Zuwendung an diese jungen Frauen sein.
Mein zweites Projekt ist der Quilt für die European Quilt Association mit dem Thema „Celebrating Diversity“. Ich habe dies bereits erwähnt.
Mein dritter Job ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung für ein deutsches Magazin „Patchwork Professional“. Sie werden sie mit meinem Portrait in der nächsten Ausgabe veröffentlichen.
Mehr über Hilde van Schaardenburg’s Arbeiten findet Ihr auf ihrer Website: www.hilde vanschaardenburg.nl
Zusammen mit zwei anderen Quilterinnen, Brigitte Kopp und Elly van Steenbeek, hat Hilde auch gerade eine neue Site für „European Art Quilters“ gestartet: www.artquiltfusion.eu