Kurs für kurvige Stückchen
von Sarah Fielke
Lerne Bögen oder Kurven frei anzufertigen. Mache mal etwas Abenteuerliches und schneide für ein unerwartetes Ergebnis den Stoff ohne Schablonen aus.
Wie versprochen ist hier der bebilderte Kurs für das „freihändige“ Kurven- oder Bogenschneiden. Diese Technik scheint sehr schwierig aber probiere es mit einem Rest- oder Abfallstück aus, und Du wirst feststellen, dass es gar nicht so schwer ist wie es aussieht!
Zuerst nehme ich vier Stücke kontrastreichen Stoff in verschiedenen Breiten und Längen. Wenn Du möchtest, kannst Du sie auch alle gleichgroß schneiden aber bedenke, dass die Stücke schrumpfen werden und auch die Länge wird nicht gleich bleiben.

Nimm zwei Stoffstücke, einen Hauptteil und einen Einsatz. Als nächstes legst Du das Stück, das Du einsetzen möchtest (die weissen und orangen Punkte) unter das Hauptteil (rosa). Achte darauf, dass die Einlage ausreichend weit unter dem Hauptteil liegt, sonst kannst Du keinen tiefen Bogen ausschneiden.

Mit Hilfe deines Rollschneiders schneidest Du nun freihändig eine sanfte Kurve durch beide Schichten des Stoffes. Pass auf, dass Du auch wirklich beide Lagen durchtrennst, nicht nur eine. Du solltest den Bogen nicht zu tief machen, sonst wird es schwer die Stücke zusammen zu setzen. Das ist nicht so kompliziert, wie es aussieht; spring einfach ins kalte Wasser, schneide und Du wirst sehen, was ich meine!

Nimm nun das Stück orangen Stoff unter dem rosa Stoff heraus und nimm auf der anderen Seite den rosa Stoff vom Orangen weg, so dass Du noch die zwei Teile hast, die Du zusammennähen möchtest.
Jetzt schneide die obere Kante des orangen Stoffes bündig mit dem rosa Stoff ab. Die untere Kante spielt keine so grosse Rolle.

Lege nun den orangen Stoff auf den rosa Stoff, so dass die rechten Seiten aufeinander liegen und richte die Kurven an den oberen Kanten aus. Nähe die Stoffstücke sehr langsam zusammen und halte evtl. an, um die Teile auszurichten, damit Du immer in gerader Linie nähst und nicht am Stoff ziehst oder ihn dehnst. Hast Du das Gefühl eine Falte zu nähen, dann halte an, hebe den Fuss, arrangiere den Stoff neu und nähe weiter. Du solltest immer eine gerade Linie nähen auch wenn Du im Gesamtbild natürlich einen Bogen nähst. Arbeite langsam, dann ist es nicht so verzwickt wie es aussieht!

Bügle die Naht in Richtung des orangen, eingesetzten Stoffstückes.
Verfahre mit der nächsten Farbe genauso: Lege den Stoff, der angefügt werden soll (hier der Grüne) unter das letzte Stück (das Orange).

Schneide die nächste Kurve aus und entferne den grünen Stoff hinter dem Orangen, und den orangen Stoff auf dem Grünen.

Nähe wie zuvor und bügle die Naht in Richtung des eingesetzten Stoffes (grün).

Fahre in gleicher Weise fort bis Dein Stoffstück so lang ist, wie Du es gerne hättest. Möchtest Du ein Panel eines anderen Stoffes in die bereits zusammengesetzten Stücke integrieren, dann musst Du wie folgt vorgehen:
Lege ein grösseres Stück Stoff unter das Panel, das Du bereits gemacht hast und schneide wie zuvor. Das ist die steilste Kurve, die ich für diese Anleitung geschnitten habe und ich würde Dir nicht raten, einen noch steileren Bogen zu machen. Sonst wird es sehr schwer, es so zusammenzusetzen, dass es flach liegt.

Nähe die Teile wie gehabt zusammen und bügle die Naht entsprechend.

Nimm das Stück Stoff, das Du zur Seite gelegt hast und lege es mit der Kante wieder unter den anderen Stoff. Am Besten schneidest Du dieses Mal nur einen sanften Bogen aus, damit Du nicht zuviel des rechten Stückes abschneiden musst.

Nähen und bügeln.

Lege nun wieder ein Stück Stoff unter die Kante des links liegenden Stoffes. Schneide vorsichtig mit dem Rollschneider entlang der Kante des Bogens und entferne das Stück rosa Stoff, das noch übrig ist.

Zusammennähen, bügeln und das Ganze viereckig oder quadratisch schneiden.

Diese Methode ist für viele Dinge hervorragend geeignet, einschließlich gewellte Umrandungen und „Reste-Quilts“. Ich habe diese Technik kürzlich bei der Australasian Quilt Convention in Melbourne im Februar 2009 verwendet. In dem Kurs, an dem ich teilnahm, entwarfen wir einen Quilt rund um das Thema Bäume. Ich wollte eine Darstellung des Eukalyptusbaumes machen, an dem ich jeden Morgen beim Spaziergang mit meinem Hund vorbeikomme.
Der Baum hat einen gewundenen Stamm, wenn die Sonne aufgeht glitzert es rosa und golden auf der glatten, weissen Rinde des Stammes. Im Sommer fällt die dunkle Borke ab und hinterlässt eine weitere glatte, weisse Schicht darunter.

Ich machte einige Panels mit „kurvigen Stücken“ und setzte sie zusammen mit grösseren, einfarbigen Blöcken.

Momentan spiele ich mit der Borke und den Blättern, um den gewünschten Effekt zu erreichen.
So, jetzt bist Du an der Reihe.
Freihändige Bögen zu machen unterscheidet sich sehr von den Kurven, die Du z. B. bei einem Drunkard’s Path Block oder ähnlichem machst, da hier Präzision gefragt ist.
Nimm Deinen Rollschneider, werfe die Lineale in die Ecke und los geht’s!