Das Glück des „hand piecing“ (Zusammennähen von Stoffstücken mit der Hand)
Von Erica Spinks

„Jazz Hands“ von Sarah Fielke, Fotos von Dougthy für “Material Obsession Two”.
Bist Du auch immer völlig begeistert, wenn Du einen aufwendig gestalteten Quilt Block siehst und befürchtest Du dann, dass er viel zu schwierig zu nähen ist? Aber das ist nicht wahr! Hand Piecing, also das Zusammennähen der Stoffstücke per Hand, nennt man die Fertigkeit, mit der man knifflige Blocks einfach herstellen kann. Hand Piecing hilft Dir auch auf dem Weg zu kreativem Glück.
Warum hand piecing?
Es handelt sich um eine einfach zu erlernende Technik - eigentlich ist es nur ein geradeaus laufender grosser Stich mit ein paar eingeworfenen Rückstichen. Du benötigst nur Stoffstücke, einen Stift und ein Lineal zur Markierung, eine Nähnadel, Faden, Schere und, falls benötigt, einen Fingerhut. Mehr brauchst Du nicht!
Es lässt sich auch leicht transportieren. Bewahre die Stoffstücke, nachdem Du sie geschnitten hast, einfach in einer kleinen, wiederverschliessbaren Plastiktüte auf und nehme sie überall mit hin. Du kannst mit Deinen Freunden nähen, in einer Quilt-Gruppe, im Auto oder wenn Du deinen Kindern beim Sport zusiehst. Gesellschaft beim Nähen wird Deine Finger beflügeln.
Durch das Nähen mit der Hand bist Du ganz nah an Deinem Projekt. Viele Näher/innen lieben das Gefühl des Stoffes in der Hand. Es sind die fühl- und tastbaren Eigenschaften des Nähens, die schon Generationen von Quiltern gefesselt haben.
Du kannst die Stiche, die Du machst, genau setzen und dadurch, dass Du nicht bis zum Rand jedes Stückes nähst, kannst Du die Naht in jede gewünschte Richtung bügeln.
Du wirst sehen, dass der Rhythmus, der beim Nähen entsteht, meditative Züge hat. Während Deine Finger mit den einfachen Stichen beschäftigt sind, kann Dein Geist frei umher schweifen. Die entspannende Tätigkeit führt zur Besinnlichkeit.
Fangen wir an:
Schneiden
Für viele Blocks kann man die Stoffstücke mit dem Rollschneider und einem Lineal ausschneiden; einige anspruchsvollere Blocks werden gewöhnlich mit Hilfe von Schablonen zugeschnitten. Dazu kannst Du entweder die Schablonen von der Mustervorlage auf Schablonenplastik übertragen oder Du kaufst fertige Acrylschablonen, z. B. von Victorian Textiles.

Curved Star-Schablone
Mit Hilfe dieser speziellen Schablone kannst Du kleine Punkte auf dem Stoff anzeichnen, um die Stoffstücke abzugleichen. Die ¼ inch Nahtzugabe ist ebenfalls genau angegeben und kann mit einem Bleistift auf den Stoff übertragen werden. Schneide die Stoffstücke mit einem kleinen Rollschneider aus oder pause die Schablone auf den Stoff auf und schneide die Stücke mit der Schere aus.
Das durchsichtige Plastik der Schablone gibt Dir zusätzlich die Möglichkeit, Stücke penibel genau zuzuschneiden, um ein wunderschönes „zweites“ Muster in Deinem Block zu gestalten.
Mit den Schablonen stellt man einen „Curved Star“ Block wie diesen her:

Nähen
Du benötigst Handnähnadeln. Der Nadeltyp ist individuell verschieden, je nachdem was Du bevorzugst. Die Nadeln fühlen sich in der Hand jeweils unterschiedlich an. Du kannst Sharps, Straw Nadeln oder Applikationsnadeln verwenden. Am Besten eignet sich Baumwollfaden in einer neutralen Farbe – hellgrau oder beige sind gute Farben für helle oder mittlere Stoffe; für dunkle Stoffe solltest Du einen dunklen Faden verwenden.
Denke bitte daran, dass Du beim Nähen mit der Hand nicht bis zum Rand des Stoffes nähst, sondern nur bis zu den Punkten. Lege die zwei Stücke, die Du zusammennähen möchtest, aneinander und stecke sie zusammen, indem Du die Endpunkte der Nählinien aufeinander abstimmst. Zu Beginn ist es für Dich einfacher, wenn Du die Stücke in kürzeren Abständen zusammensteckst. Mit ein bisschen Erfahrung wirst Du feststellen, dass dies nicht mehr notwendig ist.
Ich mache immer einen Knoten in das Ende meines Fadens und beginne die Naht mit einem kleinen Rückstich. Nähe mit grossen Stichen und mache alle 4-5 Stiche einen Rückstich. Ich finde, das macht die Naht haltbarer. Beende es an einem markierten Punkt mit einem Rückstich. Nach Beendigung der Naht, drücke sie mit den Fingern glatt. Erst nach Fertigstellung aller Stücke solltest Du den ganzen Block mit dem Bügeleisen bügeln.
Auf Jinny Beyer’s Website findest Du einige nützliche Tipps, z. B. auch wie man ein Teil in einen Winkel von zwei anderen Stücken einfügt oder wie man Bögen näht.
Komplizierte Blocks einfach gemacht
Obwohl gerade Blocks, wie z. B. Four Patches, sehr angenehm mit der Hand zu nähen sind, wirst Du die Technik am meisten schätzen, wenn Du komplizierte Blocks nähst.
Hier sind einige Blocks, die, obwohl atemberaubend schön, oft abschreckend in der Herstellung wirken.



Diese Blocks können alle mit einem wundervollen Resultat mit der Hand genäht werden.
Bist Du bereit?
Beginne mit einem einfachen Block, so dass Du Deinen Nährhythmus finden kannst und Vertrauen gewinnst. Nachdem Du ihn fertiggestellt hast, versuche es mit einem anspruchsvolleren Block, um die Aufbautechnik zu üben. Schon bald wirst Du dem „hand piecing“ für immer verfallen sein.
Anmerkung:
In ihrem Buch, „Quiltmaking by Hand“, behandelt Jinny Beyer alle Themen rund ums Nähen mit der Hand. Vielleicht findest Du ein Exemplar in der örtlichen Bücherei.