Kristel Salgarollo
Darf ich mich kurz vorstellen?
Ich bin Kristel Salgarollo (halb belgisch, halb italienisch), seit langem verheiratet mit Paul und wir haben 3 erwachsene Söhne miteinander; vielleicht genauso wichtig – Ich habe einen Patchwork -und Woll-Laden in Westerlo (Belgien).
Das war der leichte Teil. Viel schwieriger ist es, zu erklären, wie ich in die „Quilt-Welt“ kam. Die ehrliche Antwort lautet: Ich bin hineingerutscht.

Ich wurde zweifellos mit dem „Nadel-Gen“ geboren. Meine Großmutter konnte alles für ihre Handarbeiten benutzen. Übrige Wolle wurde zu Kissen, Hüten und Taschen; kaputte Unterhosen wurden zerschnitten und zu einem festen Faden aufgewickelt. Sie wurden am Ende zu einem gar nicht so hässlichen Teppich. Ein Kleid erhielt erst ein paar Änderungen bevor sie es anzog. Als Kind machte ich kleine Kleidungsstücke für meine Barbie (sie ist genauso alt wie ich, nur immer noch viel schlanker), später machte ich schmale Tunikas, Capes und Schals, die ich an meine Freunde verkaufte (ich habe auch ein kaufmännisches Gen). Nicht zu vergessen, meine beliebten Röcke aus alten Hosen: Wenn sie meiner Mutter in die Hände gefallen wären, wären sie im Abfalleimer gelandet. Ich erinnere mich, als ich 16 war, sagte ich bereits: „Wenn ich erwachsen bin, möchte ich meinen eigenen Handarbeits-Supermarkt haben!!“
Trotzdem hatte ich 2 schlechte Noten: Eine in Zeichnen und eine in Handarbeiten (bis dahin waren diese Fächer Teil meines wissenschaftlichen Lehrplans). Als ich 18 wurde, entschied ich mich dafür, Kunstkurse zu besuchen. Durch einen Schüleraustausch kam ich dann (1978) in die USA (Maryland) und zum ersten Mal sah ich farbenfrohe Quilts. Ich besuchte die Amish und sah dort 8 Personen an einem Quiltrahmen sitzen. Mir gefiel es sehr, wie sie lachten, plauderten und gleichzeitig quilteten!

Als ich nach Belgien zurückkam, hatte ich für einige Jahre nichts mehr damit zu tun. Neben dem Zeichnen strickte ich sehr viel. In Antwerpen entdeckte ich ein Wollgeschäft, wo auch wunderschöne Stoffe verkauft wurden (vor allem Baumwollstoffe für Kinderkleidung). Ich liebte es!
Mein erstes Top wurde aus Blocks gemacht; mein zweites Top war ein Log Cabin in rohweiss, weiss und blau (ich habe es immer noch). Es gibt noch ein paar weitere Tops. Aber quilten? Ich schaffte es nicht. Was wurde zwischen die Schichten gelegt? Aber man wird klüger und ich lernte Fiberfil kennen. Aber die romantische Quilt-Szene mit den Amish war weit entfernt. Nach meinem ersten gequilteten Top dachte ich: „Das werde ich nie mehr wieder machen“ (und siehe da: Es ist mein Beruf geworden).
Ich liebte es, die Stoffstückchen zusammenzunähen. Deshalb musste ich quilten! Ich zwang mich jeden Tag dazu, 15 Minuten zu quilten. Nach ein paar Wochen fand ich, dass diese 15 Minuten viel zu schnell vergingen. Mittlerweile ist das Quilten für mich die pure Entspannung. „Parke die Gedanken“ und quilte. Im Winter sitze ich vor dem Fernseher auf der Couch und quilte und im Sommer unter einem Walnussbaum im Garten. Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass ich mir alles selbst beigebracht habe (in den Achtzigern hatte in Belgien noch niemand etwas von Patchwork gehört). Ich quilte ohne einen Fingerhut, mit einem Ring und ich mache nicht diese kleinen Stiche aber meine Stiche sind symmetrisch.
Ich möchte Euch allen sagen, dass Ihr Euch nicht unzulänglich fühlen müsst, wenn Ihr nicht 5 Stiche auf ½ inch machen könnt! Quiltet einfach so gleichmäßig wie möglich und vor allem: Habt Spaß daran!

Und was zuerst nur ein Hobby (Leidenschaft) war, wurde 1991 zum Beruf. Ich tauschte meine Lehrtätigkeit in Zeichenklassen an einer Oberschule gegen das Lehren von Patchwork und Quilten in einem Laden. Nach 2 Jahren war ich der Überzeugung, dass sich in einer eigenen Firma viel mehr Möglichkeiten bieten würden und so wurde das „Atelier Salgarollo“ geboren.
Zuerst in unserer renovierten Garage, die aber bald zu klein wurde. Wir bauten einen Wintergarten mit vielen großen Fenstern (ganz tolles Licht) an. Dies war unser neues Studio. Wir zogen danach noch mal um und Ihr findet uns nun in einem großen Laden im Zentrum von Westerlo.
Warum es so gut läuft? Das kann ich nicht ohne Prahlerei erklären, aber okay, ausnahmsweise werde ich es Euch erzählen.
Es ist ganz einfach: Die Dinge, die ich mit den Augen sehe, können meine Hände umsetzen. Aufgrund meiner künstlerischen Ausbildung habe ich keine Probleme, Muster zu entwerfen.
Mein Handarbeitsgen ermöglicht es mir, dass ich die meisten Techniken sofort erfassen und genau umsetzen kann. Ich glaube bei der Wahl der Farben hilft mir meine Art der Farben-blindheit. Was für die meisten Leute grün ist, ist für mich blau und braun tendiert für mich in Richtung grau. Farbenblindheit ist wohl das falsche Wort, nennen wir es lieber „verschiedene Farben“.
Das Wichtigste ist allerdings: Wenn ich die Stoffe sehe, dann erscheint der Quilt in meinem Kopf. Ich liebe Bordürenstoff (schmal oder breit) und verwende ihn oftmals ganz anders. Einfaches Design sieht dann sehr komplex aus. Ich mag traditionelle Quilts aber ich versuche, ihnen ein eher zeitgemäßes Aussehen zu verleihen, z. B. durch Mischen der Farben, aber nicht zu offensichtlich.

Man füge alles zusammen und man erhält den „Salgarollo“ Stil. Ein Stil, der Wieder-erkennungswert hat und von vielen als wunderschön empfunden wird. 1999 traf ich auf der Creativa in Brüssel Carol Veillon von Quiltmania. In diesem Jahr enthielt jede Ausgabe von Quiltmania einen meiner Quilts; so wurde ich in Frankreich und den Niederlanden bekannt.
Ich entwerfe immer noch Designs für jeden der mich fragt aber hauptsächlich für „Editions de Saxe“.
Vor 10 Jahren erhielt ich wundervolle Stoffe aus Japan und entschied mich dafür, zum ersten Mal nach Tokio zu reisen, um am Quilt-Festival teilzunehmen. Es war wie im Traum. Ich habe niemals zuvor so viele großartige Quilts auf einmal gesehen (wie unbeholfen wir doch sind). Bei meiner Rückkehr war mein Kopf voller Ideen. Die wundervollen Stoffe und Techniken, die ich dort sah, gaben mir die Möglichkeit 2 Jahre lang Kurse zu geben. Zwischenzeitlich war ich schon mehrmals dort aber es war nie mehr so überwältigend wie beim ersten Mal; wahrscheinlich weil ich schon daran gewöhnt war.
In Japan traf ich Mitarbeiter von Lecien. Vor ein paar Jahren suchten sie nach einem europäischen Stoffdesigner und entschieden sich für mich. Das war eine große Ehre!! Meine Kunstausbildung war sehr hilfreich. Der Quilt war in meinem Kopf bereits fertig, wenn ich zu zeichnen begann. Es wurde ein langer Prozess mit vielen Änderungen von Zeichnungen und Farben aber als die „Cielle by Salgarollo“ Kollektion in den Geschäften vorgestellt wurde, war sie sehr erfolgreich.
Und jetzt hat man mich gebeten, an dieser Website teilzunehmen; ich mache das sehr gerne. Von Zeit zu Zeit werde ich versuchen, ein typisches „Salgarollo“ Design zu entwerfen oder über Dinge zu schreiben, die mir im Kopf herumgehen oder die mich inspirieren. Es würde mich sehr freuen, wenn ich Euch Schritt-für-Schritt in meine Quilt-Welt einführen dürfte.
Kristel